Aktuell Das Projekt Stipendiaten 1. Generation - 2004 Santos Leandro Ruíz Sanchez, geb. 3. Juni 1986 , Krankenpflege
Santos Leandro Ruíz Sanchez, geb. 3. Juni 1986 , Krankenpflege

santos_leandro_ruz_sanchez Ich heisse Santos Leandro Ruíz Sanchez und bin Schüler der Jaime Marzá Schule in Balgüe. Ich stamme aus der 10 km entfernt gelegenen Gemeinde La Palma.
Ich stehe jeden Morgen um 4 Uhr 30 auf, gehe mit meinem Vater arbeiten und um 10 Uhr muss ich schon mit dem Fahrrad losfahren, denn um 12 Uhr 30 fängt die Schule in Balgüe an. Am Abend komme ich erst um 7 Uhr nach hause, da ist es schon dunkel, denn die Sonne geht hier immer um 6 Uhr unter und es ist sehr schwierig nachts Fahrrad zu fahren, denn die Strassen sind sehr schlecht. Ich habe daher nur am Wochenende Zeit um zu lernen und Hausaufgaben zu machen, denn wir haben keine Elektrizität in La Palma und tagsüber bin ich vormittags beim arbeiten und nachmittags in der Schule.
Meine Familie besteht aus sieben Personen, meinen Eltern, meinem älteren Bruder und drei kleineren Geschwistern, die noch in die Grundschule gehen. Meine Familie ist sehr arm. Wir haben eigenes Land, auf dem wir Reis, Bohnen und Mais anpflanzen. Mein großer Bruder studiert in Jinotepe Krankenpflege. Um ihm diese Ausbildung zu ermöglichen musste mein Vater die letzten Jahre in Costa Rica arbeiten, das heißt, dass ich, mein großer Bruder und meine Mutter alleine mit meinen kleinen Geschwistern waren und ich zusammen mit meinem Bruder das Land bestellt habe. Meine Mutter ist auch schon nach Costa Rica gegangen um als Haushälterin zu arbeiten, dann waren wir Kinder ganz alleine und für alles selbst verantwortlich.
Es ist seit meiner Kindheit mein größter Wunsch Krankenpfleger zu werden, denn unsere Gemeinde La Palma ist sehr arm und es gibt keine ausgebildeten Krankenpfleger. Nur einmal in der Woche kommt ein Arzt vorbei, aber es gibt nicht einmal eine Apotheke in der man Medizin kaufen kann. Die nächste Apotheke ist im ca. 20 km entfernten Altragracia.
Mein Vater ist mit seiner Kraft am Ende, er sagt, er kann nicht wieder nach Costa Rica gehen um zu arbeiten. Für meine Eltern ist es das wichtigste, dass wir alle eine Schulsausbildung bekommen und sie würden alles tun damit wir studieren können. Mein Vater würde auch kommendes Jahr nach Costa Rica gehen um zu arbeiten, um Geld zu sparen, damit ich irgendwann studieren kann, aber wer weiß, wann er das Geld zusammen hat. Wenn er in Costa Rica ist, kann ich nicht weg von der Insel, denn dann muss ich auf meine Mutter und die kleinen Kinder aufpassen und bin für die Bestellung der Felder verantwortlich. Meine Mutter könnte auch gehen, aber meine Schwestern sind inzwischen schon elf und dreizehn Jahre alt und die Mädchen werden hier sehr früh schwanger und in diesem Alter brauchen sie meine Mutter, damit sie sie aufklären und begleiten kann.
Meine Familie und ich wären Ihnen für jede kleine Unterstützung sehr dankbar. Für ein Studium braucht man in Nicaragua monatlich 800 Cordoba (40 Euro), aber auch 200 Cordoba (10 Euro) wären schon ein großer Beitrag um meine Eltern zu entlasten.
Mit hoffnungsvoller Erwartung verabschiede ich mich von Ihnen,
Santos Leandro Ruíz Sanchez