| 11. Bericht von "Stipendien für Nicaragua", August 2011 |
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Es ist so weit: Die ersten Stipendiaten haben ihr Studium erfolgreich abgeschlossen! Der komplette Bericht als Download: 11. Bericht von "Stipendien für Nicaragua" 356.46 Kb
Inzwischen haben alle Stipendiaten, die im März 2005 ihr Studium begonnen hatten, ihren Abschluss - bis auf Carlos (Medizin), dessen Studium insgesamt 14 Semester dauert. Von der zweiten Stipendiatengeneration, die im März 2006 ihr Studium begonnen hat, ist bisher nur Belkir graduiert. Ruth (Krankenpflege) und Johana (Verwaltung) erreichen im September dieses Jahres ihren Abschluss, Omar (Architektur) erst nächstes Jahr. Besonders erfreulich ist, dass die Mehrheit der Absolventen bereits während ihres Studiums oder unmittelbar im Anschluss daran eine Anstellung gefunden hat. Nun sind die ehemaligen Stipendiaten gehalten, im Laufe von 5 Jahren 10 % ihres Stipendiums an das Projekt zurückzuzahlen. Mit den monatlichen Rückzahlungen werden weitere Stipendien finanziert. Abgesehen davon müssen die Absolventen, sofern sie zur Finanzierung ihres Abschlusses einen Kredit aufgenommen haben, diesen in monatlichen Raten an das Projekt zurückzahlen. (Mehr dazu siehe unten.) Die ersten AbsolventenSantos stammt aus einer der entlegensten Gemeinden des Vulkans Maderas auf der Insel Ometepe. Seine Lebensumstände führten dazu, dass er die Schule mit eher bescheidenen Noten abschloss, da Santos aufgrund der Distanz zur Schule und dem zeitlichen Aufwand, um dort mit dem Fahrrad hinzugelangen, kaum Zeit für Hausaufgaben hatte oder dafür, sich auf Prüfungen vorzubereiten. Mit einem sehr niedrigen Stipendium von nur 20 $ monatlich begann Santos in Jinotepe Krankenpflege zu erlernen. Die Höhe des Stipendiums wurde im Verlauf des Studiums angehoben - einerseits als Anpassung an die steigenden Preise in Nicaragua, andererseits aufgrund Santos´ kontinuierlicher Leistungssteigerung über das gesamte Studium hinweg. Santos´ Studium verlief jedoch nicht ohne Überraschungen. Eine schwere Krankheit, Vaterschaft sowie eine problematische Beziehung mit den Eltern hätten ihn fast zu einem Abbruch des Studiums veranlasst. Doch mit Hilfe der Projektleiterin Eveling bekam er die Probleme schließlich in den Griff und verfolgte sein Studium bis zum Schluss zielstrebig und ehrgeizig. Noch während dem Studium absolvierte er eine Art Vorabschluss, der es ihm erlaubte, in einem staatlichen Krankenhaus als Hilfskrankenpfleger zu arbeiten und seine neue Familie zu ernähren. Seit seinem Abschluss arbeitet Santos nun als staatlich geprüfter Krankenpfleger im Krankenhaus "Medicos Unidos" von Managua.
Gertrudis ist das Nesthäkchen ihrer Familie. Keiner ihrer älteren Geschwister hat die Schule beendet geschweige denn eine Ausbildung absolviert. Zu Beginn ihres Englischstudiums hatte Gertrudis große Schwierigkeiten, in der Universität mitzuhalten. Zeitweise benötigte sie zusätzliche Nachhilfe. Die zweite Hälfte des Studiums meisterte sie aber mit Bravour. Im August 2010 schloss sie das Studium mit der Note "gut" ab. Im Jahr 2009 übernahm sie bereits während dem Studium als Englischlehrerin im "Colegio Christiano" in Masaya eine Elternzeitvertretung. Da sie kurz nach Beendigung ihres Studiums Mutter geworden ist, arbeitet sie voraussichtlich erst ab dem kommenden Jahr wieder.
Belkir ist der erste Absolvent der zweiten Stipendiatengeneration, welche 2006 ihr Studium begann. Er ist der älteste Sohn einer allein erziehenden Mutter. Mit Hilfe eines Stipendiums von 50 $ monatlich studierte Belkir in Managua Physik. In den ersten Semestern hatte er sehr mit den Anforderungen an der Universität zu kämpfen, doch zuletzt war er ein sehr fleißiger Student und bekam sehr gute Noten. Von den bisher graduierten Stipendiaten hat Belkir mit Abstand die beste Abschlussnote erzielt (92 von 100 Punkten). Während dem Studium absolvierte er ein Praktikum als Physiklehrer an der Sekundarschule "Miguel de Cervantes Saavedra" in Managua. An der gleichen Schule übernahm er direkt nach Abschluss seines Studiums im März 2011 eine dreimonatige Elternschaftsvertretung. Inzwischen hat Belkir eine Anstellung im "Colegio Bautista de Nicaragua" gefunden. Finanzierung des ProjektsDieser Projektbericht soll zum Anlass genommen werden, einen Überblick über Spendeneinnahmen und -ausgaben von "Stipendien für Nicaragua" zu geben. Zum Ende des Jahres 2010 lag der Kassenstand bei knapp 21.400 €. Wie aus der unten stehenden Tabelle ersichtlich benötigte das Projekt in den letzten drei Jahren im Durchschnitt jährlich rund 19.600 $ bzw. etwa 13.600 €. Das heißt, blieben weitere Spenden plötzlich aus, könnte das Projekt knapp 18 Monate weiter finanziert werden. Ausgaben für Stipendien und Organisation in Nicaragua: 79 % der Gesamtausgaben von 2005 bis einschließlich 2010 kamen den Stipendiaten direkt zu Gute, d.h. insgesamt wurden in den vergangenen 5 Jahren knapp 63.000 $ für monatliche Stipendien, Studiengebühren und Unterrichtsmaterialien ausgegeben. In den letzten beiden Jahren konnte der Anteil der Zuwendung, der den Stipendiaten direkt zukommt, um über 10 % auf 85 % gesteigert werden gegenüber durchschnittlich 74 % in den vorangegangenen Jahren. Diese Effizienzsteigerung ist dadurch zu begründen, dass einerseits die Ausgaben für die Stipendiaten von Jahr zu Jahr anstiegen (aufgrund der zunehmenden Anzahl von Stipendiaten), andererseits die Kosten für die Projektorganisation in Nicaragua nahezu gleich blieben, da beispielsweise Kosten für Internet, Transport zur Bank u. ä. nahezu unabhängig von der Anzahl der Stipendiaten sind. So betrugen die Organisationskosten im ersten Jahr des Bestehens des Stipendienprojekts knapp über 500 $ und machten damit 17 % der damaligen Gesamtausgaben aus. Heute - 6 Jahre später - sind die Organisationskosten nicht einmal um 100 $ gestiegen und machen nur noch 3 % der Gesamtausgaben aus. Zu den Organisationskosten werden neben den bereits genannten außerdem Telefongebühren, Reparaturen von bspw. Arbeitscomputern sowie Unkosten für Transport und Verpflegung, die während der jährlichen Auswahl anfallen, gezählt. Die in den Jahren 2006 und 2007 erhöhten Organisationskosten sind mit der damals neu gegründeten Schulpartnerschaft zwischen der Geschwister-Scholl-Schule Konstanz und der nicaraguanischen Schule Jaime Marzá, von der auch die Mehrzahl der Stipendiaten stammen, zu erklären. Sie erforderte höhere Organisationskosten auf Seiten des Stipendienprojekts, das wesentlich an der Gründung und Entwicklung der Schulpartnerschaft beteiligt war. Ende 2007 übernahm die Geschwister-Scholl-Schule 50 % der im gleichen Jahr angefallenen Organisationskosten. Ausgaben für Organisation in Deutschland: Durchschnittlich entfällt nur 1 % der Gesamtausgaben auf die Projektorganisation in Deutschland. Jährlich wurden seit 2007 ca. 130 $ benötigt, um die Gebühren von Western Union für den Geldtransfer nach Nicaragua und das Verschicken von Spendenbescheinigungen zu finanzieren. Anderweitige Kosten wie Telefon, Internet, Papier, Druckerpatrone etc. wurden bislang stets privat übernommen. In den ersten beiden Jahren nach der Gründung des Stipendienprojekts wurde Nicaraguareisenden das Geld in bar mitgegeben, um so die Gebühren von Western Union zu sparen. Allerdings handelte es sich dabei auch um geringere Beträge und inzwischen hat Western Union seine Gebühren für Überweisungen nach Lateinamerika extrem gesenkt. Ausgaben für Gehälter der nicaraguanischen Projektleiterinnen: Die ersten drei Jahre nach der Projektgründung engagierten sich die nicaraguanische Projektleiterin Eveling Novoa und ihre Mitarbeiterin Johana Zambrana auf ehrenamtlicher Basis für das Projekt. Da der Arbeitsaufwand über die Jahre aufgrund der gewachsenen Zahl von zu betreuenden Stipendiaten stark gestiegen ist, wurde ab 2008 dazu übergegangen, sie für ihren unermüdlichen Einsatz finanziell mit einem monatlichen Gehalt zu entlohnen. Ausgaben für Medikamente und ärztliche Betreuung: In den vergangenen Jahren hat das Stipendienprojekt im Fall einer ernsthaften Erkrankung eines Stipendiaten Kosten für Medikamente und ärztliche Behandlung übernommen, da die Stipendiaten wie die überwiegende Mehrheit der nicaraguanischen Bevölkerung auch nicht krankenversichert sind. Für die Stipendiaten eine Krankenversicherung zu bezahlen, wäre um einiges teurer als im Ernstfall anfallende Kosten zu begleichen. Sonstige Ausgaben: Unter "Sonstiges" werden Ausgaben zusammengefasst, die keiner der zuvor genannten Kategorien zuzuordnen sind, die aber zu 100 % durch zweckgebundene Spenden gedeckt sind. Im Jahr 2005 wurden 117 $ für den Kauf von in Nicaragua hergestellten Hängematten verwendet mit dem Ziel, sie in Deutschland zu verkaufen und damit den Projektbeginn finanziell abzusichern. 2006 und 2007 streckte das Stipendienprojekt für die sich entwickelnde Schulpartnerschaft zwischen der Geschwister-Scholl-Schule Konstanz und der Schule Jaimé Marzá Geld vor. Die nicaraguanische Schule hatte die zugesagte Unterstützung bereits eingeplant und Projekte in Angriff genommen (z.B. die Sanierung des Schulgebäudes), der Geldtransfer verzögerte sich aber aufgrund bürokratischer Hindernisse. Ende 2007 erstattete die Geschwister-Scholl-Schule dem Stipendienprojekt seine Auslagen schließlich zu 100 %. Im Jahr 2008 engagierte sich die Abiturientin Veronica Schmidt-Cotta aus Donaueschingen für "Stipendien für Nicaragua" als Volontärin vor Ort. Ihre Ausgaben für Flug und Lebenshaltungskosten wurden zu 100 % von einem Spender übernommen. KrediteIm Jahr 2009 führte „Stipendien für Nicaragua" ein Kreditsystem ein. Anlass waren die hohen Kosten, die auf die Stipendiaten im Rahmen der Abschlussarbeit zukommen. Eine Kostenaufstellung ergab eine finanzielle Belastung von ca. 500 $ für die Absolventen der staatlichen Universität von Nicaragua (UNAN) in Managua und von ca. 700 $ für die Absolventen der privaten Martin Luther Universität (UML) auf der Insel Ometepe. Dies sind Summen, die für die Stipendiaten nicht alleine zu bewältigen sind. Natürlich stellt sich die Frage, wie andere nicaraguanische Studenten ihren Universitätsabschluss finanzieren. Tatsächlich verlassen viele Nicaraguaner die Universität ohne Abschluss und beginnen zu arbeiten, um über die Jahre hinweg Geld anzusparen, um irgendwann diese Kosten tragen zu können. Das Dilemma ist, dass ohne Titel das Gehalt noch niedriger ist als sonst. Aus diesen Gründen wurde beschlossen, den Stipendiaten den Universitätsabschluss mit Hilfe eines Kredits zu ermöglichen, den sie im Anschluss ihres Studiums im Verlauf von höchstens 5 Jahren an das Projekt zurückzahlen müssen. Für diesen Zweck hat das Stipendienprojekt seinerseits über „Helft uns Helfen e.V." einen Kredit von einer Privatperson in Konstanz aufgenommen. DankGemeinsam mit den Absolventen danken wir, die Projektleiterinnen von „Stipendien für Nicaragua", all denen, die durch Übernahme einer Patenschaft entscheidend dazu beigetragen haben, dass diese jungen Menschen studieren konnten und sich nun über den erfolgreichen Abschluss freuen dürfen. Unser Dank gilt außerdem den vielen Menschen, die „Stipendien für Nicaragua" finanziell oder durch ehrenamtliches Engagement fördern. Nur durch diese zuverlässige Unterstützung wurde es möglich, dass wir sieben Jahre nach der Gründung von „Stipendien für Nicaragua" die ersten Früchte unseres Engagements ernten. Mit Stolz freuen wir uns über die ersten sieben Hochschulabsolventen, die ein Vorbild sind und an denen sich nun die 32 derzeitigen und alle zukünftige Stipendiaten ein Beispiel nehmen können.
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