Aktuell Das Projekt Berichte 8. Bericht von "Stipendien für Nicaragua", April 2009
8. Bericht von "Stipendien für Nicaragua", April 2009

38 Stipendiaten

Mit der 5. Auswahl im September 2008 stieg die Anzahl der Stipendiaten auf 38 an. Damit hat das Stipendienprojekt seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Gruppenfoto der Stipendiaten in ihrer ehemaligen Schule. Leider ist es praktisch unmöglich alle Stipendiaten unter einen Hut zu bekommen, da selbst in den Ferien viele an der Universität bleiben, um Kurse vor- oder nachzuholen. (Auf diesem Foto fehlen 16 Stipendiaten.)
Gruppenfoto der Stipendiaten in ihrer ehemaligen Schule. Leider ist es praktisch unmöglich alle Stipendiaten unter einen Hut zu bekommen, da selbst in den Ferien viele an der Universität bleiben, um Kurse vor- oder nachzuholen. (Auf diesem Foto fehlen 16 Stipendiaten.)

Die erste Stipendiatengruppe hat im März mit ihrem letzten Studienjahr begonnen. Voraussichtlich im Dezember werden Gertrudis (Englisch), Yohaska und Johana (Verwaltungswissenschaften), Santos und Rosa, (Krankenpflege) sowie Eveling (Östliche Medizin) das Studium beendet haben. Teresa und Carlos, die beide auch in der ersten Auswahl 2004 ein Stipendium bekamen, werden noch etwas länger für ihr Studium brauchen: Teresa aufgrund ihrer erneuten Schwangerschaft (mehr dazu siehe unten) und Carlos, da das Medizinstudium an der Nationalen Universität von Nicaragua (UNAN) insgesamt 6 Jahre dauert und noch 2 Jahre Sozialdienst obligatorisch angehängt werden. Die Krankenpflegestudentin Ruth aus der zweiten Stipendiatengruppe wird ihr Studium hingegen gleichzeitig mit der ersten Generation abschließen, da das Studium an der privaten Martin-Luther-King Universität auf der Insel Ometepe nur 4 Jahre dauert.

Gertrudis
Gertrudis
Yohaska
Yohaska
image008
Johana
Santos
Santos
Rosa
Rosa
Rosa
Rosa
Eveling
Eveling
Teresa
Teresa
Carlos
Carlos
Ruth
Ruth

Gertrudis hat zu Jahresbeginn eine Anstellung als Englischlehrerin in der privaten Schule „Cristiano Restauración" in dem Städtchen Masaya gefunden, wo sie monatlich 1300 Cordoba (ca. 52 €) verdient. Seither pendelt sie zwischen Managua und Masaya, um samstags zur Universität zu gehen.

Yohaska war im vergangenen Jahr nicht nur die Beste ihrer Stipendiatengeneration (gefolgt von Gertrudis und Rosa), sondern hatte insgesamt den besten Notendurchschnitt verglichen mit allen Stipendiaten!

Johana ist seit Ende letzten Jahres leider arbeitslos. Zuvor hatte sie eine feste Anstellung im Bürgermeisteramt der Insel Ometepe. Mit ihrem Gehalt ernährte sie ihre 16-köpfige Familie. Da sie sich schon seit 2005 für „Stipendien für Nicaragua" ehrenamtlich engagiert und über die Jahre zu einer wertvollen Mitarbeiterin geworden ist, ohne die weder das Stipendienprojekt noch die Schulpartnerschaft existieren könnten, bekommt sie nun zusätzlich zu ihrem Stipendium ein Gehalt von 50 $ monatlich bezahlt.

Santos arbeitet bereits seit Beginn des vergangenen Jahres als Krankenpflegeassistent in dem privaten Krankenhaus „Medicos Unidos" in der Hauptstadt Managua, um mit seinem Gehalt von 1800 Cordoba monatlich (ca. 72 €) seinen kleinen Sohn zu ernähren und um zu seinem Stipendium selbst etwas hinzuzuverdienen. Santos´ Stipendium wurde für das letzte Studienjahr von 30 $ auf 50 $ erhöht.

Eveling gibt im Rahmen eines kleinen Projekts 25 Personen Unterricht in „Shiatsu"-Massage, damit diese später auf würdige Weise ihren Lebensunterhalt verdienen können. Abgesehen davon bietet sie bereits Massage und Akupunktur in einem Frauenzentrum in Managua an und kann sich so schon etwas zu ihrem Gehalt als Projektleiterin hinzuverdienen
Zu erwähnen ist außerdem, dass Eveling im vergangenen Jahr am ersten lateinamerikanischen Kongress der alternativen Medizin in Mexiko teilnahm.

Carlos´ monatliches Stipendium von 50 $ wurde auf 70 $ erhöht, da seine Kosten als Medizinstudent so hoch sind und er von seiner allein stehenden Mutter und seinen Großeltern leider keinerlei finanzielle Unterstützung erwarten kann. Dies ist möglich, da der Lions Club Konstanz für Carlos Ausbildung 1000 € pro Jahr zur Verfügung stellt.

Die 5. Auswahl

Bereits zum 5. Mal in Folge hat „Stipendien für Nicaragua" im September 2008 an der Schule Jaime Marzá auf der Insel Ometepe Stipendien vergeben, damit die Jugendlichen trotz der armen Verhältnisse aus denen sie stammen nach dem Schulabschluss eine Ausbildung absolvieren können. Von den 15 Bewerbern wurden letztendlich 7 in das Programm aufgenommen. Die Entscheidung fiel ganz besonders schwer, da sich unter den Bewerbern viele Geschwisterpaare bzw. Geschwister von bereits studierenden Stipendiaten befanden. Die neuen Stipendiaten sind:

  • Roberto (22), der lange Zeit in Costa Rica als Tagelöhner arbeitete, um seine Familie zu unterstützen und um seiner Schwester den Schulbesuch und später das Studium zu ermöglichen
  • Maria Guadalupe (19), die einzige von zehn Geschwistern, die einen Schulabschluss erreicht hat
  • José Rodolfo (22), der zusammen mit seiner allein erziehenden Mutter und seinen drei Geschwistern über viele Jahre hinweg in Costa Rica als Kaffeepflücker arbeitete, um nach und nach ihre kleine Strohhütte zu verbessern und zu festigen
  • Greching (16), Tochter einer allein erziehenden, achtfachen, arbeitslosen Mutter
  • Gilmer (18), ältester Sohn völlig mittelloser Eltern
  • Wilford (16), der bei seiner 83 Jahre alten Großmutter lebt, da seine Mutter bereits verstorben ist und sein Vater sich nicht verantwortlich zeigt
  • Angela (17), die von ihrer Tante aufgezogen wurde, da ihre allein stehende Mutter als Wäscherin in einer anderen Stadt sich und Angelas jüngere Geschwister durchzubringen versucht
Gilmer
Roberto
Maria Guadalupe
Maria
José Rodolfo
José
Greching
Greching
Roberto
Gilmer
Wilford
Wilford
Angela
Angela

Für die neuen Stipendiaten suchen wir Patinnen und Paten, die die Jugendlichen gerne regelmäßig finanziell unterstützen möchten. Ab 10 € monatlich kann eine Patenschaft übernommen werden.

Elternabend

ElternabendDie jährliche Auswahl wird stets zum Anlass genommen einen großen Elternabend zu veranstalten, zu dem die Eltern der Stipendiaten eingeladen werden. Die Versammlung dient dazu, die Eltern über das Vorankommen ihrer Kinder zu informieren, sie auf Probleme aufmerksam zu machen und ihnen die Möglichkeit zum Austausch zu geben.

Nahezu alle Eingeladenen nehmen zuverlässig an dem Treffen teil, was zeigt, wie viel auch den Eltern die Tatsache, dass ihre Kinder ein Stipendium bekommen, das ihnen das Studium ermöglicht, bedeutet.

Fast alle Stipendiaten sind die ersten in ihren Familien, die eine Berufsausbildung absolvieren, oft sind sie sogar die ersten, die überhaupt die weiterführende Schule erfolgreich abgeschlossen haben.

Stipendiaten engagieren sich

Bereits zum dritten Mal in Folge wurde im Januar 2009 im Namen der Schulpartnerschaft zwischen der Geschwister-Scholl-Schule Konstanz und der nicaraguanischen Schule Jaime Marzá das so genannte Proyecto de Utelería Escolar (PUE) durchgeführt. Im Rahmen dieser Aktivität erhalten Schülerinnen und Schüler aus besonders prekären Verhältnissen Unterstützung bei der Finanzierung von Schulmaterial.
Um die aufwendige Projektdurchführung zu erleichtern und zu verbessern, bat die Projektleitung in diesem Jahr zum ersten Mal um die Mithilfe der Stipendiaten. Diese bereiteten die Informationsplakate vor und hingen sie auch in den entlegensten Dörfern auf. Außerdem waren sie dafür verantwortlich die Bewerbungsbriefe entgegenzunehmen und die Familien bei Fragen zu informieren. Schließlich halfen die Stipendiaten auch bei der Vorauswahl, indem sie alle eingegangenen Briefe sichteten, Listen erstellten und ihre Meinung zur Einschätzung der Bedürftigkeit des Bewerbers gaben.
Die endgültige Entscheidung lag aber wie auch in den Jahren zuvor beim Direktor bzw. der Direktorin und bei dem sehr engagierten Lehrer Noe Gonzales - diesmal aber auf Grundlage der Vorschläge der Stipendiaten.

(v. l.) Cynthia, die Projektleiterin Eveling, Rosa, Belkir und Roberto bei der Gestaltung der Infoplakate
bei der Gestaltung der Infoplakate
die Stipendiaten beim Sortieren der Bewerbungen
die Stipendiaten beim Sortieren der Bewerbungen
thumb_image042
Belkir und Greching beim Sichten der Bewerbungen

Schlechte Nachrichten

Zum ersten Mal seitdem es „Stipendien für Nicaragua" gibt, wurde einer Stipendiatin das Stipendium entzogen. Wilmara Hernández, die 2007 ein volles Stipendium bekam, um in Masaya Verwaltungswesen zu studieren, ist nun nach einem Jahr aus dem Stipendienprogramm ausgeschieden. Gründe für diese schwerwiegende Entscheidung war ihre negative Entwicklung im Verlauf ihres ersten Studienjahres, die den Wechsel der Hochschule, ihre heimliche Heirat und letzten Endes ihre Schwangerschaft beinhaltete. Ob Wilmara ihre Ausbildung mit der Hilfe ihres Mannes fortsetzen wird, ist unklar.
Leider ist auch Teresa Hernández zum zweiten Mal während ihres Studiums schwanger. Teresa, die zur ersten Stipendiatengeneration gehört und sich eigentlich im letzten Studienjahr befindet, war bereits im zweiten Studienjahr schwanger. Aufgrund der problematisch verlaufenden Schwangerschaft, war sie lange Zeit im Krankenhaus, schaffte es aber nach der Geburt ihrer Tochter das Versäumte rasch nachzuholen, so dass sie ihren Kommilitonen in nichts nach stand. Ihre damals exzellenten Noten und ihr gutes Betragen überzeugten die Projektleitung, ihr eine zweite Chance zu geben und ihr das Stipendium weiterhin zu gewähren. Von ihrer erneuten Schwangerschaft sind alle überrascht und auch diesmal verläuft sie mit großen Komplikationen. Ob Teresa ihr Studium mit Hilfe eines Stipendiums abschließen kann, ist noch nicht klar.

Die Projektleiterinnen Eveling Novoa und Johana Zambrana sind stets darum bemüht, die Stipendiatinnen und Stipendiaten davon zu überzeugen, erst nach erfolgreich abgeschlossener Berufsausbildung mit der Familiengründung zu beginnen. Bisher gab es nur Nachwuchs aus der ersten Stipendiatengruppe, deren exzellente Noten die Projektleitung aber überzeugt hatten, ihnen trotz Nachwuchs weiterhin das Stipendium zu finanzieren. Im Falle einer Schwangerschaft trägt also die gesamte Situation zur Entscheidungsfindung bei. Wilmaras Ausscheiden aus dem Projekt wurde zum Anlass genommen, erneut und intensiv die Problematik in den monatlichen Treffen der Stipendiaten zu besprechen.

Arbeitsmaterial für Medizin- und Krankenpflegestudenten

In Nicaragua müssen Medizin- und Krankenpflegestudenten schon während der Studienzeit zu Praktika ihre eigenen Arbeitsutensilien mitbringen. Durch Spenden in den vergangenen Jahren sind bereits 2 Stethoskope, 1 Babystethoskop und 2 Blutdruckmessgeräte in Projektbesitz. Diese werden von den Stipendiaten bei Bedarf bei der Projektleitung ausgeliehen. Da die Zahl der Medizin- und Krankenpflegestudenten des Stipendienprojekts inzwischen auf drei Medizin-, sechs Krankenpflege- und einen Odontologiestudenten angewachsen ist, reichen die Geräte nicht mehr aus, da sich die Praktika der Stipendiaten oft überschneiden oder zur gleichen Zeit stattfinden.
Dank der Spenden einer Konstanzer Gynäkologin und einer Krankenschwester aus Berlin konnten nun die dringend notwendigen Neuanschaffungen finanziert werden. Ihnen sei auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich gedankt!

Fotokamera

Johana mit KameraSeit Herbst 2008 ist „Stipendien für Nicaragua" Dank der Sachspende eines Lehrers der Geschwister-Scholl-Schule Konstanz erstmals im Besitz einer eigenen Kamera! Bisher konnten Fotos immer nur gemacht werden, wenn Kontakte zu deutschen Freiwilligen, die in Nicaragua tätig waren, bestanden, da keine der beiden nicaraguanischen Projektleiterinnen eine Fotokamera besaß.

Finanzielle Unterstützung für die nicaraguanische Projektleiterin

Die nicaraguanische Projektleiterin Eveling Novoa Medina bekommt seit Mitte des vergangenen Jahres zusätzlich zu ihrem Stipendium ein Gehalt bezahlt. Das Gehalt wird von der Geschwister-Scholl-Schule Konstanz und dem Verein Helft uns helfen e.V. zu gleichen Teilen übernommen. Damit soll gewährleistet werden, dass Eveling sich neben ihrem anspruchsvollen Studium der Östlichen Medizin auch weiterhin um die ihr anvertrauten Projekte kümmern kann und ihr soziales Engagement nicht aufgrund finanzieller Not aufgeben muss. Inzwischen hat Eveling auch nicht nur „Stipendien für Nicaragua" zu leiten, sie koordiniert zusätzlich die jüngere Schulpartnerschaft zwischen der Geschwister-Scholl-Schule Konstanz und der nicaraguanischen Schule Jaime Marzá. Außerdem steht Eveling Helft uns helfen e.V. seit dem vergangenen Jahr als Ansprechpartnerin und Betreuerin der Projekte des Vereins zur Verfügung.

Laptop und USB-Stick

Um die Projektarbeit zu verbessern und zu erleichtern, suchen wir für Johana einen gebrauchten, aber gut funktionierenden Laptop und einen USB-Stick.

Ausblicke

  • • Dokumentarfilm über „Stipendien für Nicaragua": Der Film wurde bereits gedreht, muss aber noch geschnitten werden bis er zur Aufführung kommen kann. Anhand der Krankenpflegestudentin Maria Elena und des Informatikstudenten Horacio soll das Projekt „Stipendien für Nicaragua" vorgestellt und den Zuschauern das Leben und die Entwicklung der Stipendiaten näher gebracht werden.
  • Abschluss- und Jubiläumsfeier: Anfang des kommenden Jahres, wenn die ersten Stipendiaten ihren Abschluss vorliegen haben, hat die Projektleitung ein Fest geplant. Damit sollen sowohl die ersten Absolventen, sowie das fünfjährige Jubiläum (September 09) gefeiert werden.
  • Projekterweiterung: Ab der übernächsten Auswahl im September 2010 sollen auch an der weiterführenden Schule in Merida Stipendien vergeben werden. Damit wäre das Stipendienprojekt dann tatsächlich auf der ganzen Halbinsel des Vulkans Maderas aktiv.

Dankeschön

Die Projektleiterinnen Eveling Novoa, Johana Zambrana und Romy Nissel sowie alle Stipendiatinnen und Stipendiaten möchten sich ganz herzlich bei folgenden Personen bedanken:

Die Projektleiterinnen von links nach rechts:  Romy Nissel, Eveling Novoa und Johana Zambrana
Die Projektleiterinnen von links nach rechts: Romy Nissel, Eveling Novoa und Johana Zambrana

Unser ganz besonderer Dank gilt der Vereinsvorsitzenden von Helft uns helfen e.V. Ariadne Schmitz für die Abwicklung des Geldtransfers und dem Verschicken der Spendenbescheinigungen.
Außerdem danken wir der ehemaligen Freiwilligen Anne Schwarzenthal aus Leverkusen für ihre Unterstützung bei der Finanzierung des Projekts. Mittels Vorträgen über Nicaragua, bei denen sie auch spezifisch auf das Stipendienprojekt eingeht und den Gästen selbst gemachte nicaraguanische Snacks anbietet, konnte Anne im Jahr 2007 insgesamt 500 € Spendengelder sammeln sowie einen Paten gewinnen. Für das Jahr 2008 kamen Dank ihrer Bemühungen sogar 780 € dem Stipendienprojekt zu Gute.
Danken möchten wir auch Daniel Scheufler, Lehrer der Geschwister-Scholl-Schule Konstanz, für die Gestaltung und Betreuung der Homepage www.stipendien-fuer-nicaragua.de.

Und nicht zuletzt danken wir allen Patinnen und Paten und allen kleinen und großen Spendern für ihre Unterstützung, ohne die das Stipendienprojekt nicht existieren würde!

„Stipendien für Nicaragua“
Helft uns helfen e.V.

www.stipendien-fuer-nicaragua.de
c/o Romy Nissel
Fließhornstr. 36
78465 Konstanz
mobil: 0176 / 21 99 14 12
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

http://www.helft-uns-helfen.de
c/o Ariadne Schmitz
Kapplerbergstr. 64
78476 Allensbach
Tel.: 07533 / 93 59 45 8
Fax: 07533 / 50 22
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Volksbank eG Konstanz
BLZ: 69 29 1 000
KN: 22 30 31 31 5

Stichwort: Stipendien